Beiträge aus der Kategorie "Paranoia"

Herz und Verstand bei der Deutschen Post

Die Furcht der CDU sitzt naturgemäß tief: böse, böse Kommunisten, die sich unter Vortäuschung von Demokratiefreundlichkeit in die Parlamente schleichen um dort ihre Pläne zur Errichtung eines neuen Unrechtsstaats durch Agitation und Populismus zu verwirklichen. Solche oder ähnliche Gespenster müssen im Kopf des Stadtverordneten Hans Heuser der CDU-Fraktion im Frankfurter Römer rumgespukt haben, als er von „Post-Kommunisten“ im Parlament gesprochen hat. Die Linke-Fraktion wunderte sich und schließt absolut folgerichtig, dass „Herr Heuser nur Kommunisten mit einem Dienstverhältnis bei der Deutschen Post AG gemeint haben kann.“ Daraufhin wird nachgehakt und ein Dokument der Frankfurter Pressestelle zugestellt, die den Sachverhalt aus Sicht der Linken wiedergibt.

Dort reagiert man leicht verwundert, nimmt die Sache mit Humor und wagt sogar den „Versuch einer philosophischen Annäherung“:

Wer als Achtzehnjähriger kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer aber mit vierzig Jahren immer noch kein Kommunist ist, hat keinen Verstand.

Da es bei der Frankfurter Post sowohl Menschen mit Herz als auch mit Verstand gebe, seien doch wohl einige Kommunisten unter den Mitarbeitern, vermutet der Pressesprecher.

Die Reaktion ist umso bewundernswerter, als dass die Post immerwieder Kritik von linken UmweltschützerInnen, Hackern und anderen SpassmacherInnen einstecken musste.
Anfang der 80er gab der Bundespostminister und Geschäftsführer des Batterieherstellers „Sonnenschein“ Christian Schwarz-Schelling häufig Anlass zu Fakes. Überliefert ist dieser damals sehr beliebte Aufkleber:


aus: „Dieses Buch ist pure Fälschung“, hrsg. v. P. Huth u. E. Volland, FfM, 1989

Er spielt auf die eher umweltunfreundlichen Machenschaften der „Accumulatorenfabrik Sonnenschein GmbH“ an.

Des weiteren gelangte das von R. Schrutzki entworfene „Pesthörnchen“ zu einiger Berühmtheit als Logo des „Chaos Computer Clubs“.


Quelle: www.schrutzki.net

Es karikiert das alte Bundespostlogo und gilt heute noch als Logo des CCC(übrigens ursprünglich entworfen für den „FoeBuD e.V.“, bekannt für seine kreativen und subversiven Umtriebe)

In Anbetracht dieser Kritik stimmt es doch froh zu sehen, dass die Post doch kein so reaktionärer Haufen ist wie immer angenommen.

Chapeau!

Danke an Tille für den Hinweis!

Heute schon ein Minarett gebaut?

Minarett zum Selberbauen Bild: Dirtyhands - Atelier de sérigraphie. 2009

Das Volk hat gesprochen, durch eine gemeinsame Entscheidung, namentlich: die schweizer Volksinitiative "Gegen den Bau von Minaretten".
Nun ist es beschlossene Sache: in der Schweiz dürfen keine Moscheen mehr mit Minaretten versehen werden. Minarette, diese "Speerspitzen schleichender Islamisierung". Mit solchen oder so ähnlichen Sprüchen auf den Lippen kann man auch hierzulande zuhauf Menschen finden (man denke nur an die hässliche "pro-Köln"-Kampange). Es bleibt zu überlegen inwiefern unkritisch Volksentscheide in Demokratien zu sehen sind, die derart eklatant von Ideologien durchzogen sind, dass sogar in der "neutralen Schweiz" sich knapp zwei Drittel der Bürger gegen ein bestimmtes Symbol einer als bedrohlich angesehenen Religion entscheiden.

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Mitteilung unerwünscht - Der Verfassungsschutz klärt den öffentlichen Raum

© Innenministerium NRW

Das Brimboria Institut setzt sich unter anderem das Ziel, Zeitphänomene mitsamt ihrer gesellschaftlichen Funktion wissenschaftlich aufzuarbeiten. Fangen wir also daher bei dem Comic an, den der Verfassungsschutz im Auftrag des Innenministeriums NRW hat anfertigen lassen. Dieser behandelt nach anderen Ausgaben zum Thema Rechtsextreme und Islamisten diesmal Linksextreme und ihre Verführungskräfte. Diese Publikation scheint uns geeignet unser Selbstverständnis anzudeuten.

Die Geschichte verfolgt den Abstieg von Ben in die linksextreme Szene. Die Einstiegsdroge ist wie so oft Propaganda via Musik, er besucht ein Konzert in einer besetzten Fabrik. Als er sich mit entfernten Bekannten vor der Location unterhält, erklären diese ihm kurz prägnant informativ die Grundsteine ihrer politischen Arbeit. Zitiert werden die üblichen verkürzt gesellschaftskritischen Ansichten, von fiesen Spekulanten und Bonzen ist die Rede. "Alter", er habe die Texte gehört, "Widerstand ist Pflicht". Gesagt, getan, Ben sprüht mit zwei neuen Bekannten eine Brückenmauer voll und wird selbstverständlich als einziger erwischt.

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