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Nazis und Kapitalismus I

Quelle: indymedia

Schon seit einiger Zeit bedienen sich Nazis an verschiedenen Symbolen und Methoden, die ihren Ursprung eigentlich in der linken Szene haben. Die Che Shirts und Palitücher auf Demos sind mittlerweile ein alter Hut, ein relativ neues Phänomen sind allerdings die Autonomen Nationalisten. Mit dem Aufkommen dieser Strömung wurde nicht nur der Style und die Haltung auf Demos adaptiert, gleichzeitig fanden Nazis an Graffiti Gefallen. Auf einschlägigen Websites werden Skizzen ausgetauscht und Fotos von eigenen Werken hochgeladen, thematisch richten sie sich wahlweise gegen Kapitalismus, Polizei, Zensur und für „nationalen Sozialismus“.

Was meinen die denn eigentlich mit ihrem Nationalsozialismus? In der Schule lernten wir, der Begriff wäre erschaffen worden, um die Arbeiterklasse auf die eigene Seite zu ziehen. Hinter dieser These steckt leider die übliche Dämonisierung des allseits bekannten Überbauphänomens. Wir vom Brimboria Institut dagegen sagen: Nazis verstehen lernen heißt Nazis bekämpfen lernen!
Natürlich ist es auch richtig, dass Nazis linke Symbole kopieren, um bei Jugendlichen mit einer rebellischen Haltung besser anzudocken. Diese Erklärung vereinfacht allerdings um Längen das eigentliche Problem, weil sie sich eben nicht Inhaltlich mit der Naziargumentation auseinandersetzt.

Nazis haben tatsächlich was gegen Kapitalismus, Polizei und Zensur. Dazu haben sie aber auch scheinbar etwas gegen eine kritische Analyse der gegebenen Produktionsverhältnisse. Die nationalsozialistische Kritik lässt sich eigentlich auf folgende Kernpunkte runter brechen:

1. Verkürzte Kapitalismuskritik

Nazis finden Kapitalismus durchaus kritisch. Schließlich lautet die Forderung ja „Sozialismus“. Jedoch steht dahinter kein generelles Verständnis der Beziehungen von Mensch und Kapital, Arbeit und Profit, Markt und Konkurrenz. Nationale Sozialisten kritisieren nicht die Wirtschaftsweise. Sie kritisieren, dass die Falschen darunter leiden (Deutsche). Die schöne Geschichte vom Kapital machen eigentlich nur jene kaputt, die im Hintergrund die Fäden ziehen (z.B. das „bolschewistische Finanzjudentum“) und aus purer Bosheit den erwirtschafteten Reichtum dem deutschen Volk vorenthalten – auf Kosten der deutschen Arbeiter. Diese Gruppen lassen hinterfotzigerweise die Volksgemeinschaft schuften, obwohl sie selber nicht „dazugehören“. Womit wir beim nächsten Punkt wären:

2. Nationalismus

Selbstverständlich ist das Nationskonzept für Nazis nicht etwa ein Konstrukt der Moderne. Nationen gibt es für sie schon so lange, wie es Menschen gibt - das Individuum ist dabei der Kategorie Nation unterstellt.

Diese Eckpfeiler der Naziideologie lassen sich recht einfach widerlegen, da sie vor Widersprüchen kaum laufen können. Die verkürzte Kapitalismuskritik ist nichts anderes als die Personifizierung von der „unsichtbaren Hand des Marktes“. Wenn man also der Naziargumentation folgt, so stellt sich heraus, dass sie Kapitalismus nun doch ganz super finden – solange alles in den richtigen (=deutschen) Händen liegt. Auch die Sache mit den Nationen ist an sich ebenfalls eine rein affirmative Angelegenheit – das Denken in volkswirtschaftlichen Einheiten ist eine frühestens merkantile Nummer und hängt unmittelbar mit der kapitalistischen Produktionsweise zusammen.

Darauf müsste die Jungs und Mädels von der Nationalen Befreiung nur mal jemand hinweisen. Was dem Problem dagegen überhaupt nicht gerecht wird, ist die Behandlung von Nazis als Kinderfänger von Deutschland.

Beim nächsten Beitrag Nazis und Kapitalismus (II) widmen wir uns dann den Spaßvögeln von der Konservativ-Subversiven Aktion und einigen Beispielen aus der Praxis.

Warum es richtige und falsche Kritik gibt...

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.. und wohin letztere führen kann, illustriert dieses Zitat aus dem Jahre 1986 ganz deutlich:

"... Im übrigen fängt Kritik nicht damit an, daß sie an sich die kri­tische Frage stellt, ob sie weitergeht, praktisch und konstruktiv ist. Sie beginnt damit, daß man sich Rechenschaft ablegt darüber, woher all das kommt, was man als Belästigung und Schaden wahr­nimmt. Wer auf das bißchen Ursachenforschung verzichtet, vertut sich womöglich im Engagement, sucht sich Ort, Zeit und Adressat wie Gegner seiner Bemühungen verkehrt aus. Dann vergeht seine Ju­gend, und er war in Gorleben zelten, hat seine Zeit im Frauenbuchladen verplempert und Grüne gewählt, während die Klassengesellschaft funktioniert, daß es kracht."
(Die Klassen (II), MSZ - Gegen die Kosten der Freiheit)

Via

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Basics #1: Gesellschaftliche Totalität

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monochrom: Theorie ist immer auch Ausschlussmedium. Ihr Jargon hält auf Distanz. Das kann frustrierend sein, haben wir alle schon erlebt. Auch, wie sich Theorie in sich selbst zurückzieht. Wie sie sich mit dem beschneidet, was ihr angeboten wird. Wir wollen sie wieder unter die Leute bringen, weil Theorie in die Praxis gehört - schon damit letztere nicht durchdreht. Das Gefühl, Theorie sei unsexy, rührt daher, das sie eben nur noch für Spezialtypen in Spezialwelten gelten soll, abgekoppelt von allem, was angeblich Realität ist. Das ist ihr Problem. Natürlich soll sie nicht in Pornografie umschlagen, die die meiste Praxis sein will. Trotzdem empfinden wir sie als etwas Erotisches, eine Verführung zum Dagegensein. Denn gute Theorie ist natürlich immer dagegen, egal um was es gerade geht. Sie ist eigentlich die letzte Form der Autonomie.

OPAK #2, S,58

Hell yeah!

Um den Einstieg ins theoretische Gefilde zu erleichtern, werden wir hier in unregelmäßigen Abständen Texte zu einigen Grundbegriffen aus der linken Kulturtheorie veröffentlichen. Weitere Infos findet ihr oben unter basics.

Den Anfang macht der Beitrag "Zum Begriff der gesellschaftlichen Totalität".

Anmerkung 12.04.2012: das Dokument wird gerade überarbeitet...